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Wenn die Zinsen wieder steigen: was passiert?

Eigentlich möchte die Europäische Zentralbank weg vom billigen Geld. Allerdings lautet die Frage, wie weit sie dabei gehen kann. Laut einer aktuellen Studie besteht die Gefahr, dass es bei den Staatsausgaben zu Einschnitten kommt und auf Hausbauer Mehrkosten zukommen.

Obwohl die Wirtschaft boomt und die Arbeitslosigkeit auf einem absoluten Tiefstand ist, bekommen die Sparer nach wie vor keine Zinsen auf ihre Ersparnisse. Der Grund: Die Europäische Zentralbank verfolgt seit Jahren eine mehr als laxe Geldpolitik. Nicht nur, dass der Leitzins bei einem Wert von null liegt, zudem kauft die Europäische Zentralbank allmonatlich Anleihen – der Betrag dafür hat sich bislang bereits auf rund zwei Billionen Euro summiert. Weil die Konjunktur stark ist und somit die Inflation steigt, gab es bereits einige Anzeichen auf eine baldige Wende.

Das historische Zinstief

Die Leitzinsen der Europäischen Zentralbank befinden sich schon seit 2008 im freien Fall. Sparer hoffen angesichts der wirtschaftlichen Lage deshalb, dass die Zinsen bald erhöht werden, um einen weiteren Anstieg der Inflation zu vermeiden. Viele Experten sind der Meinung, dass bei den Zinsen spätestens 2019 wieder ein leichter Aufwärtstrend verzeichnet wird. Die Frage lautet jedoch, wie weit der Zins steigen soll. Eine weitere Frage lautet, ob hohe Zinsen in der Eurozone überhaupt vorstellbar sind. Ein mögliches Szenario, was bei einem Zinsniveau wie vor dem Ausbruch der Finanzkrise bis zum Jahr 2025 passieren würde, ließ das Flossbach von Storch Research Institute durch seine Analysten ermitteln. Damals lag der Leitzins bei einem Niveau von etwa fünf Prozent.

Staatsschulden werden nicht mehr bedient

Höhere Zinsen würden Staaten und direkt betreffen, so die Analysten. Der Grund: Viele Staaten haben sich nach der Finanzkrise stark verschuldet und zahlen die Schulden nur langsam ab. Die Zinslast, die im Staatshaushalt berücksichtigt ist, liegt auf einem absoluten Tiefstand und beträgt in der Eurozone lediglich neun Prozent der Staatsausgaben.

Vor allem die Südländer der Eurozone kämen höhere Zinsen also teuer zu stehen. Die Folge: Gerade diese Länder wären wohl nicht mehr in der Lage, ihre Schulden zu finanzieren. Das wird am Beispiel von Italien ersichtlich, wo die durchschnittliche Verzinsung der Staatsschulden bei rund drei Prozent liegt, die Zinsen variieren allerdings je nachdem, wie lange die Laufzeit der Anlage ist. Bei einem durchschnittlichen Zinssatz von fünf Prozent, betrüge die Zinslast 2025 über 100 Milliarden Euro. Im Vergleich zum Jahresbeginn 2018 würde das einen etwa 50prozentigen Anstieg bedeuten.

Wesentlich höhere Zinsen könnten aber auch für Länder mit einer geringeren Verschuldung – etwa Deutschland – ein Problem darstellen. Bis zu rund 20 Milliarden Euro würden etwa die Mehrausgaben im Bundeshaushalt bedeuten, wenn die Bundesschulden mit vier Prozent verzinst werden müssten. Dieser Betrag ist in etwa so hoch wie der Etat des Innen-, Außen- und Landwirtschaftsministeriums.

Die Studienautoren sagen dazu: „Höhere Zinsen können nur dann gezahlt werden, wenn Verschuldung abgebaut wird, oder wenn Geld an anderer Stelle eingespart wird.“ Geringere Staatsausgaben hätten jedoch oft eine Dämpfung der Gesamtwirtschaft zur Folge. Werden beispielsweise Zahlungen an Familien oder Rentner gekürzt, würden diese auch weniger konsumieren.

So einfach lassen sich laut der Studie höhere Zinsen in Europa also nicht so einfach durchsetzen. Bert Flossbach, Vorstand bei Flossbach von Storch, hält es deshalb für eine Illusion, dass die Zinsen wieder auf ein Niveau klettern könnten, das sie vor der Finanzkrise hatten.

Immobilienkredite werden unfinanzierbar

Weil auf die Besitzer von Häusern und Wohnungen immense Mehrkosten zukämen, besteht auch die Gefahr, dass der Immobilienmarkt implodiert, wenn die Zinsen steigen. Auch das lässt sich mit einer Beispielrechnung belegen: Bei einem Immobiliendarlehen über 400.000 Euro zahlt eine Familie mit einem Netto-Monatseinkommen in Höhe von 3.314 Euro beim Zinssatz zum Stand April 2018 eine monatliche Rate in Höhe von 1.1667 Euro, also rund 35 Prozent des Haushaltseinkommens.

Bei einem höheren Zinsniveau würde der Anteil für die Tilgung auf bis zu 70 Prozent hochschnellen. Dazu sagen die Flossbach-Fachleute: „Das wäre für den Haushalt kaum tragbar, sodass er in diesem Fall überhaupt keinen Bankkredit erhalten dürfte.“

Das wiederum würde bedeuten, dass die Immobilienpreise sinken müssten, damit die Haushalte die monatlichen Raten stemmen können. Würde der Zins für den Kredit also beispielsweise um 1,5 Prozent steigen, müsst umgekehrt der Kaufpreis um 40 Prozent sinken, was die Immobilienmärkte drastisch einbrechen ließe.

Nach Meinung der Experten von Flossbach ist es also äußerst unwahrscheinlich, dass die Zinsen durch die EZB in absehbarer Zeit spürbar angehoben werden. Denn: „Nicht nur die Staatshaushalte würden unter der Schuldenlast ächzen, auch Privathaushalte würden weniger konsumieren und Unternehmen ihre Investitionspläne zusammenstreichen.“ Lediglich ein fortgesetzter wirtschaftlicher Aufschwung könnte vielleicht eine Trendwende auf dem Zinsmarkt einleiten, weil die hohen Schulden durch höhere Steuereinnahmen dann auch bei höheren Zinsen abgezahlt werden könnten.

Mai 2018


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