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Bauhandwerk: die Fachkräfte werden knapp

Nach wie vor sind in den großen Städten Deutschlands Wohnungen und Häuser knapp. Allerdings kann der Bedarf durch Neubauten nicht gedeckt werden. Der Grund: Es mangelt an Handwerkern. Und ein Ende des Fachkräftemangels ist nicht in Sicht. Im Gegenteil dürfte sich die Situation sogar noch verschlimmern.

Dazu sagt Hans Peter Wollseifer: „Das Problem hat sich noch weiter verschärft.“ Und weiter: „Das hat zur Folge, dass unsere Kunden immer länger warten müssen. Darüber sind natürlich auch unsere Betriebe gar nicht froh, denn die wollen ihre Aufträge schnell und gut erledigen. Betroffen sind inzwischen auch Stammkunden.“ Auch der Bau neuer Wohnungen wird durch den Fachkräftemangel ausgebremst, so das Ergebnis einer Studie der staatlichen Förderbank KfW.

Qualifizierte Kräfte fehlen vor allem im Bauhandwerk

Weil es an Fachkräften fehlt, können die Bauunternehmen ihre Aufträge also nicht schnell genug abarbeiten. Dieser Mangel kann im Bauhauptgewerbe, etwa bei Hochbauunternehmen bisher noch mit ausländischen Kräften behoben werden. Anders sieht es im Bauhandwerk aus, wo es zunehmend an qualifizierten Kräften mangelt. Zwar erwartet die KfW, dass 2018 insgesamt über 300.000 neue Wohnungen gebaut werden, also gut 15.000 mehr als im Jahr zuvor. Doch um wirksam gegen die Wohnungsnot vorzugehen, sei bis 2020 der Neubau von 350.000 bis 400.000 Wohnungen nötig, so die Prognosen.

Knapp sind die Fachkräfte vor allem im Heizungs- und Klima-, im Sanitär- und im Klempnerhandwerk. Ersichtlich sei das schon daran, wie viele offene Stellen und wie lange diese bei der Bundesagentur für Arbeit gemeldet seien, so Jörg Zeuner, Chefvolkswirt bei der KfW. Schwer zu bekommen seien für Unternehmen vor allem Meister. Das gilt zunehmend aber auch für andere qualifizierte Mitarbeiter. Sein Fazit: „Der Fachkräftemangel wird allmählich zum größten Risiko für eine Ausweitung der Bautätigkeit in Deutschland.“

Mindestens 150.000 Handwerker fehlen

Laut Bundesagentur für Arbeit fehlten im Handwerk etwa 150.000 Fachkräfte, jedoch würden viele Betriebe ihre offenen Stellen gar nicht mehr melden. „Deshalb schätzen wir die Zahl der fehlenden Fachkräfte im Handwerk auf 200.000 bis 250.000“, so Wollseifer. In einem Notfall wie einem Wasser- oder Sturmschaden würden die Handwerker zwar nach wie vor schnell kommen. Aber: „Wenn man ein neues Dach will, weil es erneuert werden soll, dann kann es sein, dass man zehn bis zwölf Wochen warten muss. Und es gibt auch keine Entwarnung: Das Problem wird sich in den nächsten 18 bis 24 Monaten nicht verbessern.“

Insgesamt leide das Handwerk unter einem Mangel an Nachwuchs. „Das verschärft sich immer mehr, weil es einerseits immer weniger Schulabgänger und andererseits den Drang zum Studium gibt“, sagt Wollseifer. „Zurzeit sind mehr als 300.000 Ausbildungsplätze allein im Handwerk weiter offen – und das trotz der sehr guten Zukunfts- und Berufsperspektiven. Das wird sich bis Ende September reduzieren, aber wir rechnen damit, dass dann immer noch um die 20.000 Ausbildungsplätze nicht besetzt sind.“ Damit Jugendliche für das Handwerk begeistert werden könnten, sei eine höhere Wertschätzung für die berufspraktische Ausbildung und Tätigkeit nötig.

Eine kostenlose Meisterausbildung?

Deshalb forderte Wollseifer, dass sowohl die Ausbildung als auch die Prüfung zum Meister künftig komplett kostenlos sein sollte, wie es auch beim Studium bis zum Examen der Fall sei. Er schätzt, dass es etwa 60 Millionen Euro kosten würde, um die Meisterausbildung kostenfrei zu machen. „Das sollte es unserer Gesellschaft schon wert sein, meisterliches Können auch in Zukunft zu sichern.“

Ferner würden im Handwerk ausländische Fachkräfte gebraucht. Dazu sagt er: „Ein Einwanderungsgesetz muss vor allem beruflich Qualifizierte in den Blick nehmen. Wir wollen junge Facharbeiter aus dem Ausland anwerben, dafür müssen aber die Verfahren deutlich einfacher werden. Unser Vorschlag ist, Migrationsabkommen mit all den Ländern abzuschließen, die ein vergleichbares Ausbildungssystem und -niveau haben.“

Sahra Wagenknecht, Fraktionschefin der Linken, kritisierte hingegen ein Einwanderungsgesetz für Fachkräfte. Sie ist der Meinung: „Deutschland muss seine Fachkräfte selbst ausbilden.“ Den Grund für den Mangel an Fachkräften sie in erster Linie darin, dass das Bildungssystem unterfinanziert sei. „Internationalismus bedeutet nicht: Abwerbung der Mittelschicht aus armen Ländern, um hier Lohndumping zu betreiben.“

August 2018


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