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So entstehen in Hamburg 8-Euro-Wohnungen

Ein modellhaftes Bauprojekt entsteht derzeit in Hamburg: Es gibt keine staatlichen Zuschüsse, trotzdem sollen die Wohnungen bezahlbar bleiben. Die Nettokaltmiete soll bei diesen Wohnungen je Quadratmeter lediglich acht Euro betragen.

Architekt Heiner Limbrock beschreibt seine Herangehensweise an dieses Projekt, das im Stadtteil Neugraben verwirklicht wird, mit den Worten „anders herangehen“. Der Bauherr für die 40 neuen Wohnungen ist dabei nicht die Stadt Hamburg, sondern der Versicherungskonzern Helvetia. Auf den ersten Blick sieht es jedoch so aus, als solle mit diesem Projekt das Unmögliche möglich gemacht werden:

Limbrock sieht darin aber keinen Widerspruch. Seiner Meinung nach hätten sich in Deutschland seit einigen Jahren bei Neubauprojekten Gepflogenheiten entwickelt, die teuer sind aber keinerlei Einfluss auf die Wohnqualität haben.

Als Beispiel nennt der Architekt die Haustechnik. Er will bei diesem Projekt die Bäder der Wohnungen „Rücken an Rücken“ legen. Das habe den Vorteil, dass die Leitungen gebündelt verlegt werden können. „Aber an der Ausstattung der Bäder wird nicht gespart“, wie er betont. Denn keinesfalls soll hier der Eindruck entstehen, dass Billighäuser gebaut werden.

Ferner wählt Limbrock als Baustoff Holz statt Stein, wodurch die Bauzeit nur lediglich acht Monate betragen würde. Dadurch könnten die Wohnungen natürlich auch schneller vermietet werden. Der Baustoff Holz biete außerdem den Vorteil, dass Verputz und Tapeten gespart werden. Er sagt: „Das wird keine Wand im Stil einer alpenländischen Hütte, sondern man wird helles Holz und eine feine Holzmaserung sehen.“

„Die Lebensdauer eines Holzbaus war zur Investitionsentscheidung für den Bauherrn äußerst wichtig“, so Limbrock. „Wir mussten also nicht nur die ökologische Nachhaltigkeit, sondern auch die ökonomische Nachhaltigkeit belegen.“ Und im Hinblick darauf würden Holzbauten nicht schlechter abschneiden als Massivbauten aus Beton oder Stein.

Damit die Kosten auf einem niedrigen Niveau bleiben, werden in Hauswirtschaftsräume und Küchen Fenster eingebaut, damit auf Entlüftungsanlagen verzichtet werden kann. Aufzüge sind bei den beiden Gebäuden mit je vier Stockwerken zwar nicht vorgesehen, diese können aber problemlos nachgerüstet werden. Auch auf einen Keller und die Tiefgarage wird verzichtet. Dafür will Limbrock eine komplette Erdgeschoss-Gebäudezeile rollstuhlgerecht gestalten.

Allerdings sind die Verbände skeptisch, ob die Mieter damit zufrieden sind und sich diese Art der Bauweise durchsetzen kann. Michael Seitz, Sprecher der Hamburger Bau- und Ausbauwirtschaft, kommentiert das Vorhaben mit den Worten: „Wenn sich bei 5 bis 8 Prozent aller zu bauenden Objekte ein solches Angebot realisieren lässt, wäre das gut.“ Bei einem frei finanzierten Wohnungsbau sieht er eine Kalkulation mit einer Nettokaltmiete von neun bis zehn Euro pro Quadratmeter als realistischer.

Die Miete soll fünf Jahre lang nicht erhöht werden

Der Verband norddeutscher Wohnungsunternehmen empfiehlt, preisgünstige Mietwohnungen eher an Standorten in weniger stark gefragten Lagen anzubieten. Das dürfte allerdings auf den Hamburger Stadtteil Neugraben zutreffen. Dieses Viertel gilt eher als günstig und die Stadt hofft darauf, dass es sich durch Zuzug verbessert. Beispielsweise ist das 8-Euro-Projekt in eine Quartiersentwicklung eingebunden, in deren Rahmen insgesamt 1.500 Wohneinheiten gebaut werden sollen. Ferner sind Gewerbeflächen und eine neue Kita geplant.

„Hamburg soll auch für Haushalte mit durchschnittlichen und mittleren Einkommen bezahlbar sein“, sagt die Stadtentwicklungssenatorin Dorothee Stapelfeldt dazu. Wohnraum solle für diejenigen Menschen angeboten werden, welche bei Neubauten finanziell überfordert sind, aber nicht vom sozialen Wohnungsbau profitieren. Die Nettokaltmiete von acht Euro liege genau zwischen den Mietpreisen im sozialen Wohnungsbau und jenen Wohnungen, die auf dem freien Markt angeboten werden. Wie Stapelfeldt weiter sagt, soll der Mietpreis fünf Jahre lang bei acht Euro bleiben.

Burkhard Gierse, Vorstand von Helvetia, kommentiert das Vorhaben folgendermaßen: „Wir sind als deutsche Lebensversicherung ein nachhaltig und langfristig denkender Investor. Neben den Interessen unserer Versicherungsnehmer, Mitarbeitern und Aktionären tragen wir auch eine gesellschaftliche Verantwortung, die wir mit diesem Projekt wahrnehmen können.“

August 2018


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