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Brandschutz: Todesfallen im Hausflur

Die Brandschutzbestimmungen sind in Deutschland so hoch wie kaum irgendwo sonst – das wirkt sich natürlich auch auf die Baukosten aus. Aus Bequemlichkeit unterlaufen jedoch viele Mieter den baulichen Schutz.

Das beste Beispiel hierfür ist ein Vorfall in der Jägerstraße in Düsseldorf/Eller: Aus einem Mehrfamilienhaus quollen Rauchschwaden, während Bewohner vom Balkon aus um Hilfe riefen. Die Feuerwehr rettete schließlich mit einer Drehleiter. Der Auslöser: Ein Bewohner hatte einen Kinderwagen im Treppenhaus abgestellt, welcher in Brand geraten war. Weil sich durch den Brand giftige Gase bildeten, konnten die Bewohner nicht durch den Hausflur fliehen.

Bernhard Schuhmacher, seines Zeichens Brandschutzbeauftragter bei der Dekra, erlebt derartige Szenarien tagtäglich. Denn bei Brandschutzbegehungen, die er für Wohnungsbauunternehmen durchführt, stellt er regelmäßig fest, dass Mieter die Treppenhäuser als Abstellfläche für Kinderwagen, Fahrräder und selbst Schränke missbrauchen würden. Dazu sagt Schuhmacher: „Der Fluchtweg wird dann bei einem Feuer zur Todesfalle.“

Denn diese Gegenstände stellen nicht nur Hindernisse dar, sondern können auch selbst „zu einer Brandlast werden“. Sehr oft würden dabei giftige Gase entstehen, welche zu Kohlenmonoxidvergiftungen mit Todesfolge führen können.

Wenn Mieter den Brandschutz unterlaufen

Für den Immobilienökonom Michael Voigtländer, der für das Institut der deutschen Wirtschaft mit Sitz in Köln tätig ist, ist diese Situation paradox. Denn: Brandschutz wird in Deutschland ganz groß geschrieben.“ So seien in den vergangenen Jahren mehrere neue Vorschriften erlassen worden, wodurch die Zahl der Normen bei Neubauten und Modernisierungen erheblich gestiegen sei. Insgesamt müssen Bauherren etwa 3.300 Normen einhalten, so das Institut der deutschen Wirtschaft. Etwa ein Drittel davon betrifft den direkten oder indirekten Schutz vor einem Brand oder die sichere Flucht der Mieter. Dazu sagt Voigtländer: „Die Flut an Verordnungen ist ein wesentlicher Grund dafür, dass sich der Wohnungsneubau in den vergangenen Jahren stetig verteuert hat und die Genehmigungsverfahren immer länger dauern.“ So lagen die Kosten für den Bau einer Wohnung ohne Grunderwerb 2007 noch bei etwa 1.250 Euro je Quadratmeter, zehn Jahre später bereits bei 1.700 Euro. Das bedeutet ein Plus von 36 Prozent.

Die Mieter selbst unterlaufen jedoch diese Maßnahmen, die ihrem Schutz dienen, selbst immer wieder. Sachverständige stellen bei Begehungen nämlich neben dem Abstellen von sperrigen Gegenständen auch diverse andere Verstöße fest: „Sehr häufig sind die Rauchschutztüren zwischen Keller oder Tiefgarage und dem Treppenhaus nicht wie vorgeschrieben geschlossen, sondern werden mit einem Holzkeil sperrangelweit offen gehalten“, so Schumacher. Und weiter: „Das kann im Brandfall lebensgefährlich werden.“

Das kann zur Folge haben, dass sich Rauchgase im kompletten Gebäude ausbreiten können, was zu Vergiftungen führen kann. Zudem kann im Brandfall der Kamineffekt. Schuhmacher erklärt dazu: „Sind die Schutztüren nicht geschlossen, erhalten die Flammen – egal, wo im Haus sie lodern – zusätzliche Nahrung durch die Sauerstoffzufuhr.“ Das wiederum habe zur Folge, dass sich das Feuer rasch ausbreiten könne.

Sicherheit oder Bequemlichkeit?

Voigtländer macht bei den Begehungen regelmäßig einen Konflikt zwischen dem Wunsch nach Sicherheit und der persönlichen Bequemlichkeit aus. Denn: „Kein Mieter würde in ein Haus einziehen, wenn ihm zuvor gesagt würde, dass das Gebäude im Brandfall nicht sicher sei.“ Aus Bequemlichkeit würden die Mieter aber zugleich lebensgefährliche Fallen für sich und andere schaffen.

Als Beispiel nennt er das Verhalten vieler Eltern: Aus Gründen der Sicherheit müssten die Kinder beim Spielen mit einem Tretroller einen Helm tragen, zugleich würden sie das Spielgerät aber auch im Treppenhaus liegen lassen. „Einerseits wollen sie ihre Kinder vor einer Schramme am Kopf schützen, andererseits setzen sie sie der Gefahr von Rauchgasvergiftungen aus, weil sie zu bequem sind, den Tretroller in den Keller oder in die eigene Wohnung zu tragen.“ Und auch Senioren würden ihre Rollatoren oftmals in der Nähe der Eingangstür abstellen, weil sie die Gehhilfe nur schwer in die Wohnung tragen können.

Auch in Bezug auf das Abschließen der Haustür sei das Verhalten vieler Mieter widersprüchlich. Denn aus Angst vor Einbrechern würden die Haustüren verschlossen, was im Fall eines Brandes jedoch die Flucht erschwert. Dazu Schuhmacher: „Eingangstüren sollten nachts nicht zugeschlossen werden.“ Und weiter: „Hausordnungen, in denen dies vorgeschrieben wird, sind unzulässig.“

Die Regeln müssen kontrolliert werden

Unabhängige Sachverständige müssen regelmäßig Hausbegehungen in Mehrfamilienhäusern durchführen, um eventuelle Verstöße gegen die Schutzvorschriften festzustellen, sodass diese abgestellt werden können. Wie häufig welche Gebäude kontrolliert werden müssen, ist in der Brandschutzverordnung des jeweiligen Bundeslandes geregelt.

Dafür, dass die Brandschutzvorschriften auch wirklich eingehalten werden, sind die Immobilienbesitzer verpflichtet. „Bei Eigentumswohnungen in Gemeinschaftswohnanlagen zählen solche Kontrollen zu den Aufgaben des Hausverwalters“, erläutert der Jurist Gerold Happ, Geschäftsführer des Eigentümerverbandes Haus & Grund.

Oftmals reicht schon ein freundliches Gespräch mit dem Hinweis auf die geltenden Bestimmungen. Wenn sich nicht feststellen lässt, wem ein Gegenstand gehört, empfiehlt Happ ein Schreiben an alle Mieter mit dem Hinweis auf die Rechtslage. Ändert sich nichts, könne gegen die betreffenden Mieter eine Abmahnung ausgesprochen werden. Und: „Wenn dies nichts fruchtet, muss in letzter Konsequenz die Kündigung ausgesprochen werden, um den Brandschutz sicherzustellen.“

Falls die Gegenstände Eigentümern gehören, hat der Hausverwalter im Extremfall die Vollmacht zur Entfernung der Gegenstände. „Dabei darf das fremde Eigentum jedoch nicht in den Sperrmüll gehen, sondern muss sicher eingelagert werden, damit die Besitzer es sich zurückholen können“, erläutert Happ.

November 2018


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